Christian Schütz Christian Schütz art place berlin





Schuetz

A-BA-Ch 63 from the series "Chaconne"








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A-R-XVIII from the series "Runen"








Schuetz

A-BA-Ch 66 from the series "Chaconne"








Schuetz

A-strings-14 from the series "Strings"













Christian Schütz "Zeichen - Gestalt"



9 März - 9 Mai 2010

Christian Schütz, 1941 in Berlin geboren, in seinem Lebenslauf zwischen Ost und West hin- und hergetrieben, ist ein geprägter Antiideologe. Sein Vertrauen gilt der Kunst und den exakten Wissenschaften als Spiel der Möglichkeiten. In den "STRINGS" etwa, einem thematisch ausufernden Bildprojekt, versucht Schütz, die Psycho- dynamik des Tons in ihrem Kern zu visualisieren. Die Methoden, die er dabei anwendet, sind der musikalischen Komposition aber auch der Mathematik eng verwandt. Seine besondere Beziehung zur Musik drückt sich auch in der Bildfolge "BA-Ch" - Figurinen nach der Chaconne von J.S. Bach - aus. Im Zyklus "RUNEN" versucht Schütz, jenseits der politisch-ideologischen Belastungen dieser Zeichen durch den National- sozialismus, ihrem urmentalen und piktografischen Charakter nachzugehen. Dabei setzt er die Zeichen in Beziehung zu naturhaften (Island) und sozialen (Das Parlament) Erscheinungen. Der in Grafik, Malerei und experimentellem Film studierte und erfahrene Künstler begann 1996, nach einer intensiven Zusammenarbeit mit der koreanischen Komponistin Ye Sook Lee in den USA, die elektronische Musik zu seinen Grafikzyklen komponierte, den Computer in seine künstlerische Arbeit einzubeziehen. Der Computer ist für Schütz zum idealen Medium geworden, durch das er komplexen Gedanken vielschichtig Ausdruck verleihen kann. Nach seinen letzten Auslandaus- stellungen in Montreal und Kopenhagen bereitet Schütz derzeit weitere Ausstellungen vor, darunter für 2011 eine Solo-Ausstellung im "Museum Ludwig" in St. Petersburg.

CHACONNE

Die Chaconne ist ein alter barocker Tanz, mit einem immer wiederkehrenden harmonischen Grundmotiv im Bass, über dem sich figurativ in unzähligen Variationen eine Vielfalt technischer und emotionaler Ausdrucks- formen entfaltet.

Eines der bekanntesten anspruchsvollsten Beispiele ist die Chaconne aus der 2. Partita für Solovioline in d-moll von Johann Sebastian Bach - ein herausragendes Meisterwerk der abendländischen Musikgeschichte.

In ihren 30 Variationen hat Bach ein Ausdrucksvolumen geschaffen, das sich jeder begrifflichen Interpretation entzieht.

Ein divergierendes und immer wieder in Konvergenz umschlagendes Zwiegespräch wird hörbar, dessen Pole Albert Schweitzer als das "Ringen zwischen Schmerz und Freude" - zwischen Disharmonie und Harmonie beschreibt.

In der Dialektik zwischen strenger, ja virtuoser Archi- tektonik und höchst emotionaler Originalität liegt die Wesenheit der absoluten Kunst Johann Sebastian Bachs.

In der Bildfolge "BA-Ch" wurde der Versuch unternom- men, eine idiographische Übersetzung dieser dialek- tischen Elemente in der Musik Bachs zu finden. Das Prinzip der Variation wurde übernommen.

RUNES

In der Zeichenschöpfung drückt sich das mentale Bedürfnis der Menschen aus, den wahrnehmbaren Lebensraum in seiner Komplexität durch Zeichen zu ordnen. Dieses Bedürfnis ist scheinbar in der kulturellen Evolution des Menschen angelegt.
Rune (neuhochdeutsch), runo (urgermanisch), Rùn (altnordisch), run (altenglisch), runa (althochdeutsch), rûne (mittelhochdeutsch) - bedeutet GEHEIMNIS

HERKUNFT UND VERBREITUNG

Über die Herkunft und kulturgeschichtliche Entwicklung der Runen wissen wir bis heute wenig. Am Beginn ihrer Entwicklung gehörten sie offenbar zu einer Gruppe von piktografischen Zeichenkomplexen, die sich in unter- schiedlichen Zeitstufen nahezu weltweit entwickelten. Dabei gelten sie als die ältesten Zeichenschöpfungen der Germanen.

FORM UND ÄSTHETIK

Runen sind in Buchenholz geritzte Zeichen, welche keine runden Formen besaßen - ein typisches Merkmal früher Zeichenschöpfungen, ganz unabhängig davon, ob sie in Holz geritzt, in Stein gemeißelt oder in Metalle eingraviert wurden. Erst die Verwendung des Papyrus als Zeichen- träger veränderte die Formgestaltung der Zeichen. Die Ästhetik dieser Zeichengruppen, aber auch die Formge- staltung einzelner Zeichen war geografisch unabhängig sehr ähnlich.

BEDEUTUNGSINHALTE DER RUNEN

Man geht davon aus, dass Runen zuerst begriffliche Zeichen darstellten. Als solche besaßen sie naturbe- schreibende, mentale und religiöse Funktion. Im bisher ältesten Fund (Bronzehelm aus Nagau, 2. Jhd. v. Ch.) erkennt man bereits ein voll entwickeltes Zeichensystem. Als Schriftsprache (phonetische Zeichen) haben sich Runen erst spät und auch nur für kurze Zeit (etwa bis zum 11. Jhd.) durchgesetzt, bevor sie durch die Christi- anisierung vom lateinischen Alphabet verdrängt wurden. Selbst die Wikinger (8.-11. Jhd.), in ihrer Zeit die Räuber, Eroberer und Herren der Meere, haben sie als Schriftsprache kaum verwendet.

RUNEN - ZEIT- UND ZAUBERZEICEHN

Tatsächlich wurden die Runen jedoch über die Jahrhunderte hinweg im ganzen nordeuropäischen Raum als magische Zeichen verwendet - als Sprache der Götter. Der Sage nach hat Odin (Hauptgott der nordischen Mythologie und Religion) sie, neun Nächte an der Welten-Esche Yggdrasil hängend, von einer höheren Macht empfangen, um sie an die Menschheit weiterzugeben. Runen als magische Zeichen beinhalteten Zahlensymbolik und haben mystisch, dämonische und religiöse Bedeutungen. In diesem Sinne waren Runen keine determinierten Zeichen, sondern vielschichtig interpretierbar. Die Kunst der Interpretation beherrschten damals nur wenige: Runenmeister und Frauen des höheren Standes. Heute können wir Runentexte zwar lesen, aber ihr Sinn bleibt im Dunkeln. Beeindruckend ist der ausdrucksstarke und urmentale Charakter der Zeichen.

STRINGS

In den "STRINGS", einem thematisch ausufernden Bildprojekt, versucht der in Logik und Semiotik geschulte Künstler, die Psychodynamik des Tons in ihrem Kern zu visualisieren. Die Methoden, die er dabei anwendet, sind der musikalischen Komposition aber auch der Mathematik eng verwandt.



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